30 Jahre Kritische Blätter aus dem Ruhrgebiet
 
Portrait
 
 
 
 
       
    AMOS - Kritische Blätter aus dem Ruhrgebiet erscheint seit 1968.
 30 Jahre
       
       
       
  AMOS beobachtet sozio - kulturelle, ökonomische und religiöse Entwicklungen.     
 AMOS streitet um politische Alternativen.
  
       
       
      
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links 
Vier  
gemacht von 
  
 
AMOS ist die linke sozialprotestantische Vierteljahreszeitschrift - gemacht von Leuten aus dem Ruhrgebiet.
 
       
  AMOS - Kritische Blätter aus dem Ruhrgebiet:   

Der Name ist Programm:   

Amos trat etwa um 760 v. Chr. in Israel als offensiver und lautstarker Kritiker sozialer Schieflagen seiner Umwelt auf.

    
30 Jahre AMOS-  
Erinnerungen und (Glück-)Wünsche
 
       
     
       
     
       
     
       
     
       
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

     
   
 
30 Jahre
AMOS
Erinnerungen und Glückwünsche
 
     
     
     
Das Impressum der ersten Nummer: 

AMOS - Kritische Blätter aus Westfalen 
Bochum, Lennershofstr. 66,  
Baracke IX 

Herausgeberkreis: 
Dietrich Dross (verantwortlichr Redakteur), Wolfram Lackner, Karl Meyer-Wieck, Wolfhart Kohte, Gerd Rowold, Dieter Schellong, Hartmut Siemon, Eckerhard Uhr, Manfred Zabel.

   
 
     
     
  
Heute . Heute . Heute . Heute . 17.00 Uhr 

Teach-in:   
Zur Radikalisierung kirchlich Abhängiger  

Die einen sind Pfarrer, oder deren Haushälterinnen, oder deren Küster, Organisten, Vikare, Hilfsprediger, Katecheten, Diakone: sie beziehen ihr Geld von der großen Mutter Kirche, wenig im Monat und geben sich redlich Mühe (Überstunden werden nicht bezahlt): ihnen ist die Kirche ARBEITGEBER. 

Die anderen sind Gläubige, Christen, Getaufte, Gottessucher, Protestanten oder Katholiken, Kirchenbesucher und Sakramentenempfänger: sie beziehen ihren Trost von der Großen Mutter Kirche, wenig zwar und nur fürs ewige Leben: ihnen ist die Kirche TROSTSPENDER. 

Die einen wie die anderen, und der eine ist wie der andere, werden betrogen: und was noch infamer ist, der eine durch den anderen, der Gläubige durch den Pfarrer  (der es auch nicht viel besser weiß) und der Pfarrer durch den Gläubigen, dessen angebliche geistige Not ihn an der höheren Bedeutung seines (nach Posititionen abgestuften) Salärs und der kirchlichen Ausbeutung nicht zweifeln läßt. 

Aber beide müssen erkennen, daß es nur um Macht geht: nicht mit schönen Worten, nicht mit dem historischen Jesus, der Hoffnung auf die Zukunft oder der theologischen Revolution in Lateinamerika, schlagen sie die Kirchenbürokratie. Kirchliche Geschädigte, vom Arbeitgeber wie vom Trostspender, radikalisieren sich deshalb, fordern endlich, was so lange versprochen und  nicht gehalten wurde: jetzt sind sie am Zuge. Diskutieren Sie mit anderen Geschädigkten und Kirchenbürokraten. 

Heute nachmittag, Mittwoch, den 5. 11. 1969, 17.00 Uhr in Baracke 9 (großer Raum hinten links) 

Es laden ein: die theologischen Fachschaften - ESG - AMOS - kritischer Katholizismus - Kollektiv 17 - hoffnungsvolle Barhschüler - etc. - etc.

  
  
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Vier  
gemacht von 
  
 
Aus dem Umfeld von AMOS: 

1. "Celler Konfernez" / "Kollektiv 17" Bochum: 

Vom 29. September bis zum 3. Oktober 1968 fand die "1. Celler Konferenz" linker Theologinen und Theologen statt, die den Marsch durch die Institution Kirche einleiten sollte. Im Abschlußdokument heißt es: "Die blinden Blindenführer in den kirchlichen Ämtern seien beruhigt: Wir wollen ihnen nicht ans Leben. Wir wollen sie nicht aus dem Amt jagen, wie sie jetzt (im Rheinland) den ersten von uns widerrechtlich die Anstellung verweigert haben. Wir wollen ihnen nicht den Glauben nehmen. Wir lassen ihnen ihr Opium. Wir lassen sie durch geistige Onanie ihre Onanieangst überkompensieren. Wir lassen sie rechts liegen in ihrer ganzen aufgeblasenen Bedeutungslosigkeit. Wir bekämpfen nicht die Kirche; die bekämpft sich selbst und sie tut das gut. Wir kämpfen nur darum, mit Hilfe des kirchlichen Machtapparates mitwirken zu können an allen emanzipatorischen Bestrebungen, die letztlich nur in der Zerschlagung des Kapitalismus ihr Ziel haben können. Wenn die Kirche aber ein Interesse an der Erhaltung dieser Gesellschaftsordnug hat, die ihr so viele finanzielle und politische Vorteile verschafft, wird diese sich gegen uns wehren müssen. Wir werden diese Abwehr unterlaufen. Wir werden jeder für sich versuchen, in die Kirche einzusickern. Wir werden daher die Kirchenleitungen belügen, so wie sie das Kirchenvolk belügen. So wie der markinische Jesus werden wir unsere Identität und unsere Absichten so lange verheimlichen, bis es uns an der Zeit erscheint. In Zukunft wird man nie wissen, ob nicht im schwarzen Rock ein Roter steckt, ein Schaf im Wolfspelz. Wir wollen die Kirche nicht reformieren und nicht revolutionieren, wir sind keine Sekte und keine Fraktion innerhalb der Kirche. Wir sind linke Theologen, die sich zusammenschließen, um in der Kirche Raum zu schaffen für ihre revolutionäre politische Tätigkeit. Sozialisten aller Landeskirchen vereinigt Euch!" 

(zitiert nach: Norbert Kozicki, Aufbruch im Revier. 1968 und die Folgen, Essen 1993, Klartext Verlag, ISBN 3-88474-063-6)