30 Jahre AMOS -Kritische Blätter aus dem Ruhrgebiet
 
Online-Debatte Thema: Palästina
Autor: AMOS Quelle: AMOS 1 / 1998
Titel: `Kontaktnetz Palästina' in Westfalen gegründet
 
 
   
 
`Kontaktnetz Palästina' in Westfalen gegründet
 
     
    Ein ` K o n t a k t n e t z P a l ä s t i n a . Evangelische Arbeitsgemeinschaft Westfalen in Zusammenarbeit mit dem Jerusalemsverein' wurde am 1. Dezember 1997 in Villigst gegründet. In der Präambel dieses ökumenisch orientierten Vereins heißt es u.a.: ,,Die Christenheit hat ihren Ursprung in Jerusalem und der umgebenden Region. Evangelische Christinnen und Christen suchen seit 15o Jahren die Begegnung mit den dort lebenden Gliedern der Weltchristenheit. In Verbundenheit mit diesen MitchristInnen haben wir uns in Westfalen und angrenzenden Regionen zusammengefunden, um uns für heute im Lande der Bibel lebende Menschen zu engagieren.`` Hintergrund dieser ökumenischen Verbundenheit, so die Präambel, sei die Verantwortung für jene, ,,deren Schicksal durch die Shoa bis in die Gegenwart mitbestimmt wird`` - sowie der Zusammenhang der Vereinsziele mit dem Konziliaren Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. 

So will der Verein ,,in enger Zusammenarbeit mit dem Jerusalemsverein

- die Christinnen und Christen im Lande der Bibel in ihrem Zeugnis für Jesus Christus stärken; 

- Erziehungs- und Schularbeit mit einem Profil der Begegnung, des Friedens und der Versöhnung unterstützen; 

- für Menschenrechte und Opfer von Menschenrechtsverletzungen eintreten und in sozialen Notlagen Hilfe anbieten. 

Insbesondere geschieht dies durch folgendes: 

- Der Verein ermutigt und unterstützt Gemeinden im Raum der

Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Partnerschaften insbesondere mit Gemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien (ELCJ) zu gründen und zu pflegen, soweit es die dortige kirchliche Struktur erlaubt.

- Der Verein sorgt im Raum der EKvW für eine möglichst differenzierte Öffentlichkeit über das Leben in Palästina, speziell auch über die Erfahrungen der dort ansässigen palästinensischen Christinnen und Christen. 

- Der Verein berät kirchliche Gruppen und Gemeinden bei der 
Planung von Reisen nach Palästina.

- Der Verein sucht Kontakt bzw. unterstützt die Beziehungen zu Vertreterinnen und Vertretern des `Jüdisch-Christlichen Dialogs' in Westfalen.

- Der Verein beteiligt sich an theologischen und kirchenpolitischen Diskussionen im Raum der EKvW.`` 

Folgende sieben Personen wurden in den Vorstand gewählt:

- Vorsitzender: 

Volker Kuhlemann (Pfarrer), Kirchlengern 

- stellv. Vorsitzender: 

- Dr. Hans-Jürgen Abromeit (Pfarrer), Schwerte 

- Schriftführer: 

Weert Hüttmann (Pfarrer), Marl 

- stellv. Schriftführerin: 

Renate Leichsenring (Pfarrerin), Herten 

- Kassierer: 

Helmut Hansmann (Bankkaufmann), Telgte 

- stellv. Kassiererin: 

Antje Lütkemeier (Pfarrerin), Herford 

- Beisitzer: 

Daud Nassar (kirchl. Mitarbeiter), Bethlehem/Palästina 

- z.Zt. Student in Bielefeld. 

Anschriften: Kontaktnetz Palästina 

- Volker Kuhlemann 

An der Stiftskirche 13 - 32278 Kirchlengern 

Fon: o 5223-7 14 16 - Fax: o 5223-7 51 21 

- Dr. Hans-Jürgen Abromeit 

Auf dem Tummelplatz 4 - 58239 Schwerte 

Fon: o 23o4-97 34 31 - Fax: o 2371-97 34 31 

AMOS 4-97 - S. 23:

Bücher...

( W e i t e r e Buchempfehlungen: S. 8 + 12 + 22 + 23!)

Dschabra Ibrahim Dschabra 

Der erste Brunnen. Eine Kindheit in Palästina 

Übers. aus dem Arab.: Kristina Stock 

Lenos, Basel 1997 - DM 34,-- 

Das literarische Werk des 192o in Bethlehem geborenen Anglisten, Literaturkritikers und Übersetzers englischsprachiger Literatur ins Arabische, der 1948 aus Palästina vertrieben wurde und bis zu seinem Tod 1994 im Irak lebte, ist eindrucksvoll und zeigt eine Vielzahl von Facetten palästinensischer multikultureller, multireligiöser Erfahrungen. Hier erzählt er von seinem Alltag als Kind christllich orientierter Eltern im Bethlehem der zwanziger Jahre. 

Ute Hüttmann 

Emil Habibi

- Das Tal der Dschinnen. Roman aus Palästina 

Übersetzung aus dem Arab.: Hartmut Fähndrich / Edward Badeen 

Lenos, Basel 1997 - DM 18,-- 

- Sarâja, das Dämonenkind. Eine spätherbstliche Fabuliererei aus Palästina 

Übers. aus dem Arab.: Nuha Forst / Angelika Rahmer / Hartmut Fähndrich

Lenos, Basel 1997 - DM 38,-- 

Der 1921 in Nazareth geborene und 1996 in Haifa gestorbene - mit vielen israelischen Preisen (z.B. als erster Araber mit dem Israelischen Staatspreis für Literatur) und palästinensischen Preisen (z.B. dem Jerusalem-Preis der PLO) geehrte - Schriftsteller, Kritiker, Moralist, Literat, Verleger war sein Leben lang ein `Meister der Ironie und des Spotts' (Tahar Ben Jelloun) und ein unermüdlicher Friedensarbeiter. Nach ,,Der Peptimist oder Von den seltsamen Vorfällen um das Verschwinden Saids des Glücklosen `` sind obige Bücher seine letzten Prosatexte. Ich finde sie hinreißend - auch zum Verschenken. 

Ute Hüttmann 

Andrew Humphreys / Neil Tilbury 

Israel and the Palestinian Territories. A Lonely Planet Travel Survival Kit

Hawthorn, Australien 1996 - in engl. Sprache - DM 38,5o

bestellbar bei: Brettschneider Fernreisebedarf, München

(Fon: o89-99o2o33o - Fax: o89-99o2o331) 

4oo Seiten dick ist dieses - leider bisher nur in engl. Sprache veröffentlichte - Reisehandbuch, und wer nach Palästina fährt, sollte es unbedingt mitnehmen. Da ist - neben der großen Anzahl von Karten und Graphiken - ungeheuer vieles drin, was sonst lange recherchiert werden müßte - bis hin zur Adresse eines kleinen Arafat-Fan-Ladens in Gaza. Ute Hüttmann

Felicia Langer

Laßt uns wie Menschen leben. Schein und Wirklichkeit in Palästina

Lamuv, Göttingen 1996 - DM 32,-- 

Die israelische Anwältin, Trägerin des Alternativen Nobelpreises und Autorin (z.B.: ,,Die Zeit der Steine. Eine israelische Jüdin über den palä#stinensischen Widerstand. `` und ,,Zorn und Hoffnung. Autobiographie`` ), die seit Jahren in Deutschland lebt, gibt Auskunft über die dramatische Lage, in der sich die immer noch unter der Besatzung leidende palästinensische Bevölkerung befindet: keine Souveränität, kaum Erwerbsarbeit, kaum Land, kaum Wasser, oft abgeriegelt und in jeder Weise schikaniert und vertrieben. Die erlittene Gewalt setzt sich fort in Teilen der palästinensischen Gesellschaft und auch Führung durch Willkür, Despotismus, auch hier Menschenrechtsverletzungen. Dieses Buch ist - wie das von Edward W. Said - für die aktuelle Information und Diskussion unverzichtbar. 

Ute Hüttmann 

Philippe Lemarchand / Lamia Radi 

Israel und Palästina morgen. Ein geopolitischer Atlas

Übersetzung aus dem Französischen: Enrico Heinemann / Ursel Schäfer 

Westermann, Braunschweig 1997 - DM 19,8o 

Wer geographisches Material suchte, war vor Erscheinen dieses Buches ziemlich aufgeschmissen. Die Karten und Graphiken über die israelischen Siedlungen und die militärische Präsenz, über die ökonomische und soziale Lage der palästinensischen Bevölkerung, über Wasserverteilung, Tourismus u.a. sind eine große Hilfe beim Verstehen der aktuellen Situation und Diskussion. 

Ute Hüttmann 

Michel Rauch

Israel und Palästina. Richtig Reisen 

Dumont, Köln 1996 - DM 39,8o 

Politisch m.E. zwar noch nicht genügend, ist dieser Reiseführer für Palästina-Reisende aber doch ein sehr nützliches Buch - ich finde, ein guter Einstieg ins Reisebüchermachen über palästinensische Regionen und Realitäten. 

Ute Hüttmann 

Edward W. Said

Frieden in Nahost? Essays über Israel und Palästina

Vorwort: Felicia Langer 

Palmyra, Heidelberg 1997 - DM 34,-- 

Diese soeben in deutscher Sprache erschienenen politischen Aufsätze zur aktuellen Lage in Palästina sind in doppelter Weise wichtig: Der weithin bekannte Literatur- und Anglistikwissenschaftler (unlängst Referent bei der Dokumenta in Kassel) und langjährige PLO-Vertreter in den USA zieht hier kritische Bilanz sowohl der israelischen Methoden, die palästinensische Seite auch mittels der `Friedens'-Abkommen' über den Tisch zu ziehen (z.B. durch ungehinderte Expansion von Siedlungen auf besetztem Gebiet und der Ghettoisierung der palästinensischen teilautonomen Gebiete) - als auch der Schwächen der palästinensischen politischen Führung. Wer heute die Lage nicht geschönt kennen will, muß dieses Buch (und das von F. Langer) unbedingt lesen. 
Ute Hüttmann

Notizen von Ute Hüttmann 

bei der Rede von Viola Raheb 

bei der Gründungsversammlung des Kontaktnetzes Palästina

Wohnen in Bethlehem `97

Was geht vor im Lande Palästina? 

- nichts Neues

- Deprimierendes

Zur aktuellen Politik 

Netanjahu läßt sich viel einfallen. Einige `Blitzlichter':

Als Clinton in USA N. nicht empfing, sondern Rabins Witwe,

hat das Unruhe gebracht. Die Mutmaßung, die USA dächten 

jetzt nach, ist aber zu bezweifeln. 

Wird N. von der Regierung gestützt? Interessant: 

Sowohl die politische Rechte als auch die Friedensleute 

kritisieren N.. 

War es heute - bei der Parlamentssitzung - möglich, 61 Stimmen zu erhalten?

Der letzte politische Einfall von N.: 

Rückzug von der Westbank in geringem Ausmaß. 

Der Vorschlag löste Verwirrung aus, dann gab es eine Abstimmung mit Enthaltungen, aber die Mehrheit stimmte für den Abzug von 7 - 8 % aus der B-Zone - d.h. von 63 % der Westbank. 

Was bedeutet das? Nach Oslo II hätte B schon seit einem Jahr A werden sollen - und C häte B werden sollen! Wenn die Palästinenser auf den Vorschlag eingingen, würden sie gegen Oslo II angehen; es wäre ein Rückschritt.

Worüber N. nicht reden will: über den Status von Jerusalem - und auch nicht über die Flüchtlinge. Das heißt, er will über das Ganze nicht reden. Was er will: die Durchsetzung eines Apartheid-Systems. 

US-Druck auf N. wegen Konflikt USA - Irak. 

Innerer Druck auf die Palästinenser: Wenn Autonomiebehörde einem solchen ungenügenden Abzugs-Vorschlag zustimmt, würde es zu innenpolitischen unruhen kommen. Die Leiter der Autonomiebehörde haben den Vorschlag offiziell ja abgelehnt, aber was wird nicht-öffentlich gemacht?

Oslo I + II sind ein Friedensprozeß, der schon lange von der Schiene abgekommen ist. Er würde heute nur noch als Zwischenlösung gemacht. Das Ziel ist ein Apartheid-System: 

15 - 2o % der Westbank unter Verwaltung der Palästinenser, 

geographisch, wirtschaftlich werden die Bereiche voneinander getrennt sein,

8o % verbleiben bei Israel. 

Was eigentlich will N zurückgeben? Keiner weiß es. Die Verwirrung ist komplett. In den ca. 2o % der Westbank - großzügig! - werden mindestens 6o - 7o % der Millionen Menschen der Westbank beheimatet werden. Israels Interesse: Viele Menschen loszuwerden - und wenig Land abgeben!

Wirtschaftlich ist für die P. keine Perspektive. Tourismus und Dienstleistungsbereich wären die einzigen möglichen Bereiche, Geld zu verdienen. Im Dienstleistungsbereich sieht es zwar stabil aus, aber im Tourismus: siehe Bethlehem! Da sind Schließungen, da ist die israelische Tourismusindustrie - wie z.B durch das Aus-dem-Boden-Stampfen auf dem Hügel Har Homa / Dschebel Abu Gneim. 

Geschichten aus Bethlehem 

Bethlehem steht - mehr als andere palästinensische Städte, z.B. Ramallah - unter Druck durch Israel: 

Die Abriegelung stoppt den Warenverkehr und führt ständig zu Ausreise-/Einreisekonflikten. In den letzten Wochen hat es eine Reihe von Zwischenfällen gegeben, von denen ich einige erwähnen will als Beispiele für die aktuelle Zeit: 

- die Ermordung eines Flüchtlingsjungen 

-

D e r T o d d e s F l ü c h t l i n g s j u n g e n in der Nähe von Rachels Grab ging durch alle Zeitungen: 

Bei Rachels Grab in Zone C soll ein riesiger Neubau entstehen, ein Monstrum, das die alte Synagoge geschluckt hat (??wird Luftbrücke + Siedlerzufuhr regeln)

Nach dem 1. Bauabschnitt gab das Verteidigungsministerium dort die Sicherheitsstufe 1 bekannt. Von Hotel Paradise bis zum Checkpoint der Zonen A + B + C ist alles geschlossen. 

Der 7jährige Flüchtlingsjunge wollte in der Nähe etwas kaufen. Es wurde mit scharfer Munition ohne Warnschuß aus 15 m Entfernung direkt auf ihn geschossen - mit der Begründung, die Sicherheit sei durch ihn bedroht worden. 

Der Krankenwagen durfte nicht nach Bethlehem, mußte warten wegen eines Aufmarschs von Siedlern. 

Das Krankenhaus H. im Westteil Jerusalems hat seine Aufnahme abgelehnt.

Im Krankenhaus im Ostteil konnte man ihm nicht genügend helfen. Er sollte nach Ramallah.

Die Friedensbewegung erzwang den Aufenthalt im Krankenhaus H. im Westteil Jerusalems. Aber nach diesen vielen Stunden ohne adäquate ärztliche Hilfe lag das Kind schon im Koma und starb dann. 

Es ist sehr schwer, in diesem Land zu leben und nicht zu hassen.

Trotz alledem haben die Eltern dieses Kindes nach seinem Tod seine Organe als Organspende freigegeben - für israelische Kinder. Wer weiß, daß dies bisher überhaupt nicht zur palästinensischen Kultur gehört - und daß dies auch nur mit einer Ausnahmeregelung möglich war -, kann ermessen, was diese Spende für die Familie bedeutet. Israelische Politiker konnten dies wohl nicht ermessen, denn sie kamen nach Bethlehem, sich zu bedanken - und boten Geld (ca. 2.5oo DM) als Kaufpreis...

T o d e i n e s J u g e n d l i c h e n : Am 26. November fuhren zwei junge Palästinenser von Jerusalem nach Bethlehem, der eine hatte einen US-amerikanischen, der andere einen lateinamerikanischen Paß. Am Checkpoint sagten sie `Guten Abend' und wurden durchgelassen. 5o m weiter wurden vom Checkpoint aus 36 Schüsse auf sie abgegeben. Der eine junge Mann wurde dabei getötet, der andere schwer verletzt.

E n t e i g n u n g e n : Der Minister für Infrastrukturpolitik, Scharon, hat einen Plan für neue Enteignungen 

im Norden und im Süden der Westbank vorgelegt: In der Gegend von Hebron soll der Siedlungsgürtel, der sich dicht an dicht wie eine Kette von Festungen durch das ganze Land zieht, erweitert werden. In Hebron selbst sollen die 4oo Siedler, die mitten in der A-Zone - über den Dächern der palästinensischen Bevölkerung in der Altstadt - thronen, Verstärkung bekommen: Nun sollen 1.ooo Siedler dort sein mitsamt dem Personal, das sie vor den Palästinensern bewachen soll; der Schlüssel für das Bewachungspersonal ist: ein Siedler wird von 4 Soldaten gesichert. 

H a r H o m a / D s c h e b e l A b u G h n e i m : Der Bau an der Mammutsiedlung nahe Bethlehem und Jerusalem geht weiter: Trotz aller - sogar internationaler - Proteste werden dort 6.ooo Wohneinheiten entstehen, 2.5oo Hotelzimmer und ausgiebige Tourismuseinrichtungen. Welche Chance haben dann noch die palästinensischen Versuche, den bereits begonnenen -qualitativ anderen - Tourismus auszubauen als eigene Existenzquelle? 

Die Geschwindigkeit - es sind kaum noch Bäume auf dem ehemals bewaldeten Hügel - ist erschreckend. 

Wie wenig ist man hier in Deutschland informiert! Wen kümmert es, daß z.B. dort eine griechisch-orthodoxe Kirche ausgerottet wurde? Sie war Maria gewidmet. Es heißt, auf der Flucht nach Ägypten habe sie dort Halt gemacht und aus dem Brunnen getrunken.

H o f f n u n g s l o s i g k e i t : Die Mehrheit ihrer Leute ist deprimiert und ohne Hoffnung, noch zu ihren Lebzeiten Frieden zu spüren. Besonders bei der jungen Generation, die keine Perspektive im Land finden kann, wächst der Auswanderungswille. Es ist zwar so, daß da schon immer welche weggegangen sind, weggegangen wurden, besonders aus Städten wie Bethlehem - und nun in der ganzen Welt verstreut leben. Doch die neue Auswanderungsbewegung hat neue Dimensionen: Es gehen auch viele aus den ländlichen Gebieten (z.B. aus Beit Sahour), von denen es heißt: ,,Wenn die schon auswandern, dann können wir doch alle nur noch die Sachen packen...Wozu noch engagieren? Wir sind am Tiefpunkt. Jetzt reichts. (Man muß doch, wenn die Zeit so ist, das Pferd wechseln.)... ``

Ein `Kontaktnetz Palästina' für uns - gegen die Resignation

Für uns ist die Gründung des `Kontaktnetz Palästina' wichtig - besonders auch, weil es aus dem kirchlichen Bereich kommt. Bisher kamen wir dort kaum vor. Ein Wort von Hans-Jürgen Abromeit, wir palästinensischen ChristInnen seien die `vergessenen Geschwister', beschreibt jeden Tag neu unsere Realität. Politisch können wir - aus bekannten Gründen - nicht viel von Deutschland erwarten. Umso dankbarer sind wir für die solidarische Arbeit an der christlichen Basis - als Brücke zwischen den Menschen dort und hier sowie als Chance, daß kirchliche Kontakte endlich auch einmal uns palästinensische Christinnen und Christen meinen - und nicht nur immer an uns vorbeigehen, hin zur jüdischen Seite. Bisher waren die palästinensischen christlichen Gemeinden überrumpelt worden durch den jüdisch-christlichen Dialog. Daß sich um uns kaum jemand kümmerte, verstärkte die Resignation.

Ich wünsche mir, daß das `Kontaktnetz Palästina' die erschreckende Unwissenheit über palästinensische Realität abbauen hilft durch differenzierte Gegenöffentlichkeit. 

Ich wünsche mir, daß dem Land Palästina mit seinen Menschen ein Gesicht gegeben wird. 

Ich wünsche mir, daß durch solche Initiativen ein Zeichen an meine Leute kommt, daß dauerhafte, verläßliche Beziehungen entstehen können - statt der (auch vom Ökumenischen Rat der Kirchen geplanten) Jubiläums-Schlachten im Jahr 2ooo, wo sie kommen und feiern und dann wieder abziehen. 

Ich freue mich, daß ihr mit uns ein `Kontaktnetz Palästina' aufbaut - und kein `Solidaritätsnetz'. Während die Solidaritätsnetze eigentlich immer eine Einbahnstraße waren, wird ein Kontaktnetz von beiden Seiten geknüpft. Es geht nämlich - bei aller strukturell bedingten Armut in Palästina - nicht um Geld. Vielmehr geht es - in Menschenwürde - um den Austausch von Erfahrungen. Und da haben wir etwas zu geben - z.B. unsere Erfahrungen im politischen, ökonomischen, kulturellen, religiösen Kontext. Letztere z.B. formulieren wir als
palästinensischen christlich-jüdischen bzw. als palästinensischen christlich-islamischen Dialog, d.h. als Theologie im palästinensischen Kontext. Daß Menschen sich in Deutschland für diese Erfahrungen - und ihre Gründe - interessieren, ist für uns palästinensische Leute besonders wichtig in Zeiten, in denen wir an unseren eigenen Kräften zweifeln. Wie jetzt. Und das Zweifeln dürfen wir uns gar nicht erlauben. Denn dann haben wir schon verzweifelt, verloren. So wünsche ich mir, daß wir gemeinsam - durch unser Kontaktnetz - neue Kräfte entdecken. 

   
 
 
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